19. Oktober 2026

«Eine Promotion ist weit mehr als eine wissenschaftliche Leistung»

Am Freitagabend, 16. Oktober 2026, würdigte die Pädagogische Hochschule Luzern 10 neue Doktorate ihrer Mitarbeitenden. Zu feiern gab es auch einen wichtigen Beitrag zur Qualität der Bildung.

Hinter jeder Promotion steht eine aussergewöhnliche wissenschaftliche Leistung. Diese Leistungen werden von den Betreuungspersonen, den Gutachterinnen und Gutachtern der Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften und der Dissertationsschrift sowie von den zuständigen Gremien der titelverleihenden Hochschulen eingehend geprüft. Darum ging Dorothee Brovelli, Prorektorin des Leistungsbereichs Forschung und Entwicklung der Pädagogischen Hochschule Luzern, in ihrer Ansprache zu Beginn der feierlichen Würdigung einen Schritt weiter: «Eine Promotion ist aber weit mehr als eine wissenschaftliche Leistung. Sie ist auch mit einer besonderen Lebensphase verbunden. Eine Zeit, in der eine Forschungsfrage über mehrere Jahre zur ständigen Begleiterin wird und einen immer wieder neu herausfordert, beschäftigt und fasziniert. Eine Zeit voller Neugier und Entdeckungen, aber meist auch voller Herausforderungen, Zweifel und den Momenten, in denen sich die Forschung nicht an die Pläne hält, die man im Exposé so sorgfältig entworfen hat.»

Zu Wort kam auch der englische Schriftsteller und Philosoph John Ruskin, der schreibt: «Der höchste Lohn für unsere Bemühungen ist nicht das, was wir dafür bekommen, sondern das, was wir dadurch werden.» Auch diesen Ball spielte Dorothee Brovelli subtil weiter und wandte sich berührend direkt an alle erfolgreichen Absolvent*innen: «Gemeinsam scheint mir zu sein, dass ihr in dieser Zeit nicht nur eure Forschungsarbeit weiterentwickelt habt, sondern auch umgekehrt die Arbeit euch selbst, sowohl als Forscherinnen und Forscher als auch persönlich, weiterentwickelt hat.»

Gemäss Brovelli gab es darum auch einen wichtigen Beitrag zur Qualität unserer Bildung zu feiern, den die Doktorarbeiten verkörpern. Denn: «Mit der Tertiarisierung der Lehrpersonenbildung vor über 20 Jahren war der Gedanke verbunden, dass unsere Kinder und Jugendlichen, aber auch Erwachsene, es verdienen, auf der bestmöglichen wissenschaftlichen Grundlage unterrichtet zu werden, zu lernen und sich weiterzuentwickeln – und dass Forschung solche Grundlagen liefern soll. Die Erkenntnisse aus Doktorarbeiten mit ihrer Themenvielfalt sind wertvolle Bausteine, um unser Verständnis vom Lehren und Lernen weiterzubringen und für unser Berufsfeld, für Schule und Unterricht, nutzbar zu machen bzw. die Lehrpersonenbildung weiterzuentwickeln.»

Als Pädagogische Hochschule in der Schweiz verfügt die PH Luzern nicht über das Promotionsrecht. Sie darf also keine Doktortitel verleihen, auch dann nicht, wenn die Forschung an der PH Luzern durchgeführt wurde und fachlich von ihren Professorinnen und Professoren betreut wurde. Derzeit arbeiten etwa 50 Mitarbeitende der PH Luzern an ihren Doktorarbeiten, dies an zehn verschiedenen Universitäten und PHs im In- und Ausland. Da die Doktorgrade formell von den Partneruniversitäten verliehen werden, integriert die PH Luzern eine spezielle Würdigung für erfolgreiche Doktorate in ihre akademischen Feierlichkeiten.

Die Doktorate (1 Person möchte nicht genannt werden)

  • Titel der Dissertationsarbeit: Professionelle Unterrichtswahrnehmung​ von angehenden Lehrkräften im Kontext eines gendersensiblen Physikunterrichts​.
  • Betreuungspersonen: Prof. Dr. Dorothee Brovelli, Prof. Dr. Nicolas Robin, Prof. Dr. Markus Rehm.
  • Titelverleihende Hochschule: PH Heidelberg.
  • Titel der Dissertationsarbeit: Handschreiben als Grundfertigkeit des Schreibens – Forschungsresultate und deren Bedeutung für eine Revision der Didaktik des Handschreibens​.
  • Betreuungspersonen: Prof. Dr. Birgit Mesch, Prof. Dr. em. Werner Wicki.
  • Titelverleihende Hochschule: PH Heidelberg.
  • Titel der Dissertationsarbeit: Adapting to Disruptive Times: Investigating the Transition to Online Teaching in Higher Education.
  • Betreuungspersonen: Prof. Dr. Elena Makarova, Prof. Dr. Jacques Audran.
  • Titelverleihende Hochschule: Universität Basel, Institut für Bildungswissenschaften.
  • Titel der Dissertationsarbeit: Unterstützung von Lehrpersonen bei der Umsetzung inklusiven Sportunterrichts – eine Analyse eines Weiterbildungskonzepts.
  • Betreuungspersonen: Prof. Dr. Siegfried Nagel, Prof. Dr. Martin Vetter, Dr. Stefan Valkanover.
  • Titelverleihende Hochschule: Universität Bern, Institut für Sportwissenschaft.
  • Titel der Dissertationsarbeit: Wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen im planspielbasierten Lernsetting: Didaktische Perspektiven einer nachhaltigkeitsorientierten Bildung.
  • Betreuungspersonen: Prof. Dr. Angela Häussler, Prof. Dr. Markus Wilhelm.
  • Titelverleihende Hochschule: PH Heidelberg.
  • Titel der Dissertationsarbeit: High-Quality Design and Implementation of Formative Peer and Self-Assessment and the Underlying Conditions for Successful Practice: A Mixed-Methods Intervention Study.
  • Betreuungspersonen: Prof. Dr. Tina Hascher, Prof. Dr. Katrin Rakoczy, Prof. Dr. Alois Buholzer.
  • Titelverleihende Hochschule: Universität Bern, Institut für Erziehungswissenschaft.
  • Titel der Dissertationsarbeit: Klassenführung im Praktikum lernen. Lerntypologische Differenzen in
    der Wahrnehmung und Nutzung von Lerngelegenheiten im Schulpraktikum zur eigenen
    Professionalisierung.
  • Betreuungspersonen: Prof Dr. Tina Hascher, Prof. Dr. Gerda Hagenauer (Zweitgutachten).
  • Titelverleihende Hochschule: Universität Bern, Institut für Erziehungswissenschaft.
  • Titel der Dissertationsarbeit: Mündliches Argumentieren in der Politischen Bildung.
  • Betreuungspersonen: Prof. Dr. Monika Waldis, Prof. Dr. Martin Luginbühl.
  • Titelverleihende Hochschule: Universität Basel, Institut für Bildungswissenschaften.
  • Titel der Dissertationsarbeit: Auf dem Weg zur professionellen Konsumkompetenz: Eine empirische Untersuchung zu Lehramtsstudierenden und ihren biografisch erworbenen handlungsleitenden Prinzipien im Bereich Konsum und ihren Vorstellungen zur Konsumbildung bei Jugendlichen.
  • Betreuungspersonen: Prof. Dr. Kirsten Schlegel-Matthies, Prof. em. Dr. Barbara Methfessel.
  • Titelverleihende Hochschule: Universität Paderborn.

Bildergalerie der Würdigung vom 16. Oktober 2026 (Fotos: Eveline Beerkircher)


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